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:: Medical Trash Award - der Preis der Homophobie ::
Lesbengesundheit.de nominiert Fundstücke aus dem Bereich aktueller medizinischer und psychologischer
Publikationen für den Medical Trash Award, der dem Gewinner bzw. der Gewinnerin irgendwann einmal verliehen wird,
wenn ich sonst nichts Besseres mehr zu tun habe. Weitere Nominierungsvorschläge werden gerne entgegengenommen. 6) Frank
Wieder hat es ein Lehrbuch der Psychiatrie in die Nominierungsliste geschafft: "In der Psychiatrie ins man mit Homosexualität meist nur bei psychischen Krisensituationen konfrontiert." , lerne ich dort zuerst, gefolgt von einem Ratschlag, wie der ICD-10 (in dem Homosexualität, wie bekannt, nicht aufgeführt ist) es
trotzdem ermöglicht, die sexuelle Orientierung zu klassifizieren.
"Bei Männern spricht man auch von Uranismus und Päderastie, bei Frauen von lesbischer Liebe, Tribadie und Sapphismus." (S.188) ??? "Bei Männern finden sich seltener stabile, homosexuelle Zweierbeziehungen, hingegen häufiger Partnerwechsel. Sexuelle Handlungen treten bei Lesbischen in den Hintergrund. Zärtlichkeit und emotionale Zuwendung ist vorrangig." ?????
Es geht weiter in einer kruden Mischung aus korrekten Halbsätzen, wenn z.B. auf die negativen Auswirkungen von Diskriminierung
auf die psychische Gesundheit von Lesben und Schwulen verwiesen wird, unhaltbaren Behauptungen und veralteten Ansichten. "Eine gesellschaftliche Diskriminierung besteht nur in geringem Umfang; lesbischer Liebe wird zudem in der Gesellschaft kaum Beachtung geschenkt." Ja, wenn es denn so wäre und Herr Frank Lesben wenigstens ignoriert hätte (was natürlich niemals nicht eine Diskriminierung darstellt) - dann wäre uns dieses Lehrbuchkapitel erspart geblieben. Fachkompetenz sieht anders aus - und dafür erhält Herr Frank die sechste Nominierung für den Medical Trash Award. 5) Huber / Gross
Das gemischte Doppel Gerd Huber und Gisela Gross wird nominiert für ihr medizinisches Lehrbuch der
"Psychiatrie", erschienen in vollständig überarbeiteter und aktualisierter Auflage 2005 im Schattauer Verlag. "Bei der (strafrechtlich irrelevanten und weit weniger diskriminierten) Homosexualität der Frau (Sapphismus, Tribadie) spielt anscheinend nur die genuine, die Neigungshomosexualität (etwa 1-2 % der weiblichen Bevölkerung?) eine Rolle. Passagere homophile Einstellungen in der Pubertät und Postpubertät, überwiegend bloße Schwärmereien ohne sexuelle Kontakte sind relativ häufig (10-20%). Die Sexualbetätigung lesbischer Frauen, die sich zum Teil in Verhalten und Kleidung betont männlich geben, zeigt alle graduellen Abstufungen bis zur Verwendung von Phallusprothesen. Wenn gleichgeschlechtliche Beziehungen aufgenommen werden, ist Partnerwechsel seltener und die Entwicklung dauerhafter Bindungen häufiger als bei der männlichen Homosexualität." (S. 574)
Stellt sich die Frage: Wenn es schon weibliche Homosexualität nicht ist, sind dann solche Texte in
Lehrbüchern eigentlich strafrechtlich relevant? 4) Schepank
Mit einer Nominierung gratuliert Lesbengesundheit.de nachträglich Herrn Prof. Dr. med. Heinz Schepank
zum 75. Geburtstag am 23.5.05. "meist um eine psychogene neurotische Erscheinung, die sich aus einer frühkindlichen Fehlentwicklung ableitet, nicht selten ausgelöst durch eine heterosexuelle Liebesenttäuschung oder auch um eine sog. Nothomosexualität in Ermangelung männlicher Partner." (S. 234)
Diese Unterscheidung ist insofern interessant, als er aus der vermeintlichen genetischen Veranlagung
sog. "männlichen Neigungshomosexualität" ableitet, dass psychotherapeutische Interventionen sinnlos seien,
um diese Gruppe zu heterosexuellem Erleben umzupolen. Eine Hoffnung, die er wohl für Lesben noch
nicht ganz begraben hat. 3) Vonholdt
Christl Ruth Vonholdt wird als erste Frau für den Medical Trash Award nominiert für ihr Buch
"Verwundete Weiblichkeit - Homosexuell empfindende Frauen verstehen" (2005). "Die Texte möchten betroffenen Frauen helfen, weibliche Homosexualität besser zu verstehen. (...) Und sie möchten dafür sensibilisieren, dass weibliche Homosexualität nur ein Symptom ist, ein anderer Name für eine bestimmte, verwundete Weiblichkeit." Verwundete Weiblichkeit? "Frauen, die in einem frühem Stadium ihrer Entwicklung traumatisiert wurden, haben das Bedürfnis, ihr eigenes mangelhaftes Körberbild zu `heilen´, indem sie eine Verbindung mit anderen Frauen suchen." Aber es gibt Hoffnung: Nicht jede Trägerin verwundeter Weiblichkeit muss zwangsläufig pervers leben: "Wir wissen, dass viele Frauen in irgendeiner Weise emotionale Mängel in ihrer Kindheit erlebt haben und dass es keineswegs immer zu Entwicklung einer homosexuellen Neigung kommt. (...) Eine Frau, die ihre homosexuellen Neigungen verändern möchte, muss wissen, wohin sie möchte. Sie braucht ein Ziel. Eine klare Vorstellung von der Komplementarität von Frau und Mann kann ihr dabei helfen. (...) Veränderung einer homosexuellen Orientierung hin zu einer reifen heterosexuellen Orientierung und damit größerer Ganzheitlichkeit als Frau sind möglich." Vonholdt sei für ihre klare Definition einer antiquierten Rollenvorstellung von Männer und Frauen in einer patriarchalen Gesellschaft gedankt - denn welche will schon mit Topf und Deckel und Zwangsheterosexualität zurück in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts? 2) Flöttmann
Die zweite Nominierung geht an den Kieler Nervenarzt und Psychotherapeuten Flöttmann für seinen
Beitrag "Homosexualität und Ehe" in der neurologischen Zeitschrift neuro date aktuell im Mai 2004.
"Nach meinen Erfahrungen ist Homosexualität eine vorwiegend neurotische Störung. (...) Nun, neben all seinen Vorurteilen hat hat Herr Flöttmann dann doch noch einen halbwegs wahren Satz in seinem Erguss gesprochen: "Diejenigen, die sich gegen die rechtliche und kirchliche Gleichstellung der Homosexuellen äußern, werden listigerweise von der homosexuellen Propaganda in die Schamecke der ewig Gestrigen, Spießigen und Konservativen gestellt." Listig, wie wir NeurotikerInnen so sind, rufen wir Herrn Flöttmann ein letztes "Schäm´ Dich!" zu, bevor wir ihn in seiner Ecke stehen lassen, bis sich das Problem von selbst gelöst hat. Der Lesbenring e.V. hat mit einem Leserinnenbrief in neuro date aktuell reagiert. Ich bedanke mich für die Genehmigung, diesen Leserinnenbrief (pdf, 8kB) hier dokumentieren zu können. 1) Gleixner/Müller/Wirth
Die erste Nominierung geht an die Doktores Gleixner/Müller/Wirth für das Kapitel "Homosexualität / Transsexualität"
in dem Lehrbuch "Neurologie und Psychiatrie für Studium und Praxis 2004/5". Dieses Lehrbuch wird
von vielen MedizinstudentInnen zur Vorbereitung auf die Staatsexamina benutzt.
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:: literatur :: |
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