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Rezension: Felicianna Rosenbusch & Kaie Haas: Seiltanz

Cover Buch Seiltanz Seiltanz. Mit Krebs auf naturheilkundlichem Weg und in Beziehung leben.
Felicianna Rosenbusch & Kaie Haas
Christel-Göttert-Verlag, Rüsselsheim, 2009
203 S.; 17,- Euro
ISBN: 978-3-939623-15-1

http://www.christel-goettert-verlag.de/


Volltext der Rezension von Gabriele Dennert

Die Rezension hat Diskussionen ausgelöst:
Brief der Autorin zur Rezension von Kaie Haas (Danke an Kaie Haas für die Erlaubnis zur Veröffentlichung)

Antwort an Kaie Haas von Gabriele Dennert
Mitdiskutieren? -> im Gästebuch möglich
Botschaften aus der Anderswelt: Kurzrezension "Seiltanz"

Es gibt viele Lesben mit Krebserkrankungen, jedoch wenige Selbstzeugnisse aus dem deutschsprachigen Raum, wie sie mit ihrer Situation umgehen und ihr Leben gestalten.
Felicianna Rosenbusch und Kaie Haas haben mit "Seiltanz" eine autobiographische Darstellung zu diesem Thema veröffentlicht.

"Seiltanz" nimmt die Leserin mit auf eine Zeitreise in die persönliche Vergangenheit der Protagonistinnen und diese lassen sie im Stile der frauenbewegten Betroffenheitsliteratur der 80er Jahre auch an sehr intimen Momenten ihres Lebens teilhaben. Felicianna Rosenbusch und Kaie Haas entwickeln in verschiedenartigen Spannungsfeldern ihre eigenen Handlungsmöglichkeiten, die als für sie stimmig geschildert werden, auch wenn letztlich der Krankheitsweg von Felicianna mit ihrem Tod an Brustkrebs endet.

Das Buch erklärt nichts, es reflektiert wenig - es stellt dar. Das ist einerseits angenehm, weil lesbische und frauenbezogene Lebensweisen nicht erklärt werden müssen und selbstverständlich sind.
Anderseits bleiben dabei viele Widersprüche ungeklärt und hinterlassen das befremdliche Gefühl, dass diese spirituelle Parallelgesellschaft von Verschwörungstheorien bestimmt wird. So loben die Autorinnen die "Neue Medizin" des Antisemiten Ryke Geerd Hamer, die mittlerweile Germanische Neue Medizin heißt und für die neuerdings die NPD ihr Herz entdeckt hat, um der "jüdischen Schulmedizin" (Zitat Hamer) etwas entgegenzusetzen.

Fazit:
Interessante, nicht unproblematische Einblicke in ein Leben mit Krebs, deren Lektüre sich insbesondere für Menschen empfiehlt, die beruflich mit der psychoonkologischen und palliativmedizinischen Versorgung zu tun haben. Hier gibt es Einsichten in viele auftretende Konfliktlagen in der medizinischen Praxis aus erster Hand. Und natürlich empfohlen für alle, die sich für die Vielfalt lesbischen Lebens und dafür interessieren, was aus einigen Teilen der Lesbenbewegung von früher geworden ist.

Felice Newman: Sie liebt sie

Cover Sie liebt Sie Sie liebt Sie - der Lesbenratgeber
Felice Newman
Krug & Schadenberg 2009; 400 Seiten; 19,90 Euro
aktualisierte und erweiterte Neuauflage
ISBN 978-3-930041-66-4

http://www.krugschadenberg.de/



Die Sexpertin Felice Newman (ent)führt die Leserin in die aufregende Welt lesbischer Lust – umfassend, unverklemmt und kenntnisreich zeigt sie, wie wir beim Sex den eigenen Weg finden und (noch mehr) Spaß haben können.

Christiane Leidinger: Keine Tochter aus gutem Hause - Johanna Elberskirchen (1864-1943)

Buchcover Keine Tochter aus gutem Hause. Johanna Elberskirchen (1864-1943)
Christiane Leidinger
UVK 2008; 480 Seiten; 24,90 Euro
ISBN 978-3-86764-064-0
http://www.uvk.de/buch.asp?ISBN=9783867640640
Johanna Elberskirchen (1864–1943) war keine »Tochter aus gutem Hause«. Die Hürde der sozialen Herkunft spornte sie jedoch an, sich darüber hinwegzusetzen.
Bildung, Lohnarbeit, sogar ein Frauenstudium in der Schweiz wurden für die lebenshungrige Bonnerin zu einer Quelle, aus der sie viele Interessen schöpfte. Als Rednerin, Aktivistin und Schriftstellerin wurde ihre schärfste Waffe das Wort: Ihre Schriften sind pathetisch, polemisch, provokant, ihre Überlegungen zielen auf Freiheit und soziale Gerechtigkeit und sind überraschend modern.
1943 starb Johanna Elberskirchen in Rüdersdorf bei Berlin, wo sie in eigener homöopathischer Praxis arbeitete. Die Umstände der Beisetzung waren mysteriös: Erst 1975 fanden und vergruben zwei Frauen heimlich ihre Urne. Jahrzehnte später ehrte die Gemeinde sie mit einer Gedenktafel.
Erstmals werden die verschiedenen Spuren des ungewöhnlichen und kämpferischen Lebens von Johanna Elberskirchen für die Befreiung von Frauen, ArbeiterInnen, Lesben und Schwulen verfolgt. Christiane Leidinger entwirft dabei ein lebendiges und faszinierendes Panorama der Zeit vom deutschen Kaiserreich bis zum Nationalsozialismus. Ein Buch, das Geschichte spüren lässt, über bewegte und durchaus widersprüchliche politische Wege einer umstrittenen Feministin, Sexualreformerin und Sozialdemokratin.

Rezension:
Manuela Torelli: Zur Psychodynamik lesbischer Sexualität (München 2006) / Psychoanalyse lesbischer Sexualität (Gießen 2008)

Volltext der Rezension von Dr. Gisela Wolf
Zur Psychodynamik lesbischer Sexualität
Manuela Torelli
Diss., München 2006

Die Arbeit von Manuella Torelli ist open access im Netz erhätlich:
Link

zudem ist sie erschienen unter dem Titel:
Psychoanalyse lesbischer Sexualität
Psychosozial Verlag
Gießen 2008, 39,90 Euro

"Für ihre Arbeit hat Torelli insgesamt 24 lesbische Frauen befragt (sechs davon im direkten Kontakt, 18 in einem Telefoninterview). In ihrer Dissertation stellt sie die tiefenhermeneutisch ausgewerteten Telefoninterviews mit vier Frauen vor, die sie nach folgenden Kriterien ausgewählt hat: es handelt sich um „(n)eurotische Persönlichkeiten und Lesben mit Persönlichkeitsstörungen auf höherem und mittlerem Strukturniveau“ in deren Interviews „(b)estimmte Themenbereiche, die in mehreren Gesprächen ebenfalls angesprochen wurden, (…) am deutlichsten hervor (traten)“. Jede der vier Frauen hat Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt in der Kindheit. Die Erfahrungen der anderen 20 Probandinnen greift Torelli in ihrer Arbeit nicht weiter auf. (...)
Die Gewalterfahrungen ihrer Probandinnen konstruiert Torelli wie folgt: Die befragten Frauen hätten sich die sexualisierte Gewalt, von der sie berichtet haben, als Thema „gewählt“, um sich damit eine Identität zu schaffen und um für ihre Probleme mit Sexualität eine Erklärung zu haben.(...)
Wie lesbische Frauen auch nach einer Gewalterfahrung ihre Sexualität jenseits von analytischen Konstrukten definieren und leben, hat Torelli in ihrer Arbeit nicht interessiert. Der Schaden, der durch die Verhaftetheit im Modell des „gewählten Traumas“ entsteht, wiegt schwer. Der Rekurs auf dieses Modell führt Torelli zu einer Abwertung der Probandinnen, zur Verzerrung von Gewalterfahrungen als gewünschte und gewählte Konstruktionen, und zur Aufgabe des Anspruchs, herauszufinden, was geschehen ist und welche Bedeutungen die biografischen Erfahrungen der Probandinnen für ihr Leben und ihre Sexualität haben."
Dr. Gisela Wolf

Die Rezensentin in promovierte Psychologin, arbeitet im Bereich klinische Psychologie und ist seit langem in der Lesbenberatung und Lesbengesundheitsforschung engagiert.

Ankündigung:
Dennert / Leidinger / Rauchut: In Bewegung bleiben. 100 Jahre Politik, Kultur und Geschichte von Lesben

auch mit Beiträgen zur Lesben- und Frauengesundheitsbewegung ... :

Cover von In Bewegung bleiben "Lebendige und vielfältige Lesbengeschichte in einem Band – informativ, historisch, bunt, analytisch und streitbar. Das Buch ist geschrieben aus der Sicht von Aktiven zwischen Jahrgang 1931 bis 1981 und versammelt rund 100 Beiträge zu Bewegung, Alltag und Kultur lesbischer Frauen im 20. Jahrhundert: politische Kämpfe, Widerstand & Rückschläge, Kontroversen & Streit, Spaß & Lust. Fotos, Plakate und Titelbilder illustrieren Bewegungsaktionen und -alltag.
In einem bisher einmaligen Projekt zeichnet dieses spannende Lesebuch lebendige Bilder der politischen Lesbenbewegung vom Ende des 19. bis zum 21. Jahrhundert. Gelebte Geschichte, die Feministinnen der ersten Stunde genauso begeistern wird wie junge Lesben und alle politisch Interessierten heute."

In Bewegung bleiben. 100 Jahre Politik, Kultur und Geschichte von Lesben.
Hrsg. von: Dennert, Gabriele / Leidinger, Christiane / Rauchut, Franziska
Querverlag 2007; 24,80 Euro; 456 S.
www.querverlag.de



Ankündigung:
Gabriele Dennert: Die gesundheitliche Situation lesbischer Frauen in Deutschland

Buchcover In der Diskussion um Frauengesundheit wird meist stillschweigend eine heterosexuelle Lebensweise unterstellt. In diesem Buch werden die Ergebnisse der bisher größten deutschen Befragung von Lesben über ihre gesundheitliche Situation dargestellt und diskutiert.
Im Vergleich mit internationalen Erkenntnissen zur Gesundheit lesbischer Frauen werden Thesen für die weitere Forschung und den praktischen medizinischen Alltag entwickelt.

Gabriele Dennert: Die gesundheitliche Situation lesbischer Frauen
Centaurus, Herbolzheim 2005
23,90 Euro
ISBN: 3825505154

Rezension zu lesen bei www.aviva-berlin.de

Ankündigung:
Gisela Wolf: Erfahrungen und gesundheitliche Entwicklungen lesbischer Frauen im Coming-out-Prozess

Buchcover Anhand von Interviews mit 14 Frauen wird der Frage nachgegangen, wie sich die Erfahrungen, die lesbische Frauen im Coming-out-Prozess machen, auch auf ihre gesundheitlichen Entwicklungen auswirken.
Es wird deutlich, dass lesbische Frauen im Gesundheitssystem nach wie vor auf weitverbreitete Vorurteile stoßen und dementsprechend oft keine fachgerechte Versorgung erfahren. Ein Schwerpunkt der Arbeit liegt dabei in der Betrachtung der Ressourcen lesbischer Frauen. Viele dieser Ressourcen können erst durch ein Offenleben der lesbischen soziosexuellen Identität erschlossen werden können.
Das anhand der empirischen Befunde entwickelte Modell zu gesundheitlichen Entwicklungen lesbischer Frauen im Coming-out-Prozess bietet darüber hinaus eine wichtige Grundlage für weitere Forschungsarbeiten zur Gesundheit lesbischer Frauen und Mädchen.

Gisela Wolf: Erfahrungen und gesundheitliche Entwicklungen lesbischer Frauen im Coming-out-Prozess
Centaurus, Herbolzheim 2004
ISBN: 3-8255-0427-1

Ankündigung:
Uli Streib-Brzic: Das lesbisch-schwule Babybuch - Ein Ratgeber zu Kinderwunsch und Elternschaft

Buchcover "Die vollständig überarbeitete Neuausgabe des „lesbisch-schwulen Babybuchs“ richtet sich an alle Lesben und Schwulen, die sich in welcher Familienkonstellation auch immer – als Paar, zu mehreren oder alleine – mit ihrem Kinderwunsch beschäftigen. Dieser Rechtsratgeber beantwortet in fünf Kapiteln die wichtigsten Fragen und Themen, die auf dem Weg der Familiengründung beschäftigen: Insemination / Adoption / Pflegekindschaft / Co-Elternschaft / Wenn Schwule und Lesben schon Eltern sind"

Das lesbisch-schwule Babybuch - Ein Ratgeber zu Kinderwunsch und Elternschaft
Hrsg. von: Uli Streib-Brzic
Querverlag 2007; 14,90 Euro; 164 S.
www.querverlag.de



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